GROSSES FARBIGES, GESCHMÜCKTES PFERD
GROSSES FARBIGES, GESCHMÜCKTES PFERD
Faszination Jahrtausende China - Ausstellung 2004
Code: FJ4V-125
Keramik mit Sancai-Glasur
China
Tang-Dynastie, 618 - 907 nach Chr.
HÖHE 74,3 cm.
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Ein außerordentlich prächtiges Pferd. Mit sehr schönen, tiefen, nobel wirkenden Schattierungen seiner Sancai-Glasur. Auch ohne den Dekor, den das Tier trägt, hätte es seinesgleichen nicht so leicht zu finden. Es ist groß, äußerst lebensvoll im gesamten als auch im einzelnen durchgebildet und auch die Zusammenhänge bilden eine überaus natürliche, bestens geschlossene und abgerundete Einheit. Dieses Pferd dürfte zu den an Zahl wenigen in Sancai-Technik ausgeführten Spitzenexemplaren zählen, die heute überhaupt noch käuflich zu erwerben sind. Das Tier steht mit allen vier Beinen auf einer 1,5 bis 2 cm starken Platte, die ein Parallelogram bildet und die mitgebrannt wurde und oberseitig Glasur trägt. Der Kopf gibt einen charaktervollen Rassetypus wieder, das Maul ist geöffnet, die Augen zeigen den „besorgten“ Ausdruck, der vielleicht real gegeben war, gewiß aber in seinem Ausdruck dem damaligen Verlangen entsprechend noch verstärkt wurde. Die Frisur bildet stirnseitig eine geschwungene Form, die fast wie ein Käppchen aussieht, hinter welchem die Ohren spitz vertikal emporstehen und zwischen denen die Mähne beginnt. Sie ist kurzborstig geschnitten, die Haare stehen vertikal. Der Sattel liegt über einer Schabracke und ist mit einem Tuch bekleidet, das unterhalb des Sattels gebunden ist und danach in Falten fällt sowie an seinem untersten Ende auf beiden Seiten eine geschwungene Kontur bildet. Gebunden ist auch der Schweif, der die Form eines runden Hakens hat, mit nach oben gekehrtem Ende sowie gedrehten Riefen. Mehrere Bänder (Riemen), die im Kopfbereich (Zaumzeug) sowie von der Brust zum Sattel und von diesem zum Hinterteil verlaufen, weiters ein Streifen vertikal herabhängend am hinteren Schabrackensaum, sind selbst geschmückt und tragen teilweise große anhängende Plaketten. Auf den Riemen ist der Schmuck floral, die Plaketten haben Blattform und tragen floral geschwungene Zierelemente.
Die Glasur ist in den typischen Sancai-Farben Cremeweiß, Honigbraun und Grün ausgeführt, wobei sich aufgrund der aquarellartigen Maltechnik sehr viele Abstufungen in der Intensität sowie zahlreiche Farbvermischungen und -überlagerungen ergeben. Weiß sind nur Stirn und Augen, Ende des Schweifs sowie die Hufe, die Bodenplatte ist schon etwas dunkler gehalten und mit wie hingefallenen vereinzelten Farbflecken versehen. Dieses scheinbar wie Zufällige bzw. auch wie eine unachtsame Patzerei Aussehende nimmt in der gesamten qualitativen Bewertung seinen gewissen Platz ein, es handelt sich in diesem Bereich nämlich um eine Art abstrakte Malerei, die mehr oder weniger inspiriert sein kann und auf die man sehr wohl genau hinschaut. Fließeffekte in der Malerei ergeben sich an vielen Stellen, hauptsächlich aber von der schwarzbraun gehaltenen Mähne auf den lichteren Hals, im Bereich der Schabrackenmusterung sowie von den Plaketten auf das Pferd. Hier kommt es natürlich zu diesen herrlich irrationalen Wirkungen, daß das Plakettengrün auf das Pferd hinab fließt, so als wäre es nur mit Wasserfarben aufgemalt und das Roß stünde im Regen. Genauso rinnt es die schlanken Beine hinab und von diesen - wiederum sehr vergnüglich - auf die weißen Hufe! Wie sehr frei das Bemalen verstanden wurde zeigt beispielsweise die obere Partie des Hinterteils, wo man runde Flecken, so als wäre reines Wasser aufgespritzt worden, kleine schwarze Spritzer sowie Bewegung des auftragenden Pinselns in verschiedenste Richtungen feststellen kann. Auch der dunkelbraune Sattel ist in dieser Beziehung bewegt gestaltet. Auf der glatten Oberfläche der Mähnenbürste befinden sich gleichfalls dunkle Flecken. Bauchseits ist dieses Pferd offen bzw. teilweise ohne Glasur.
Pferde nahmen in der aristokratischen Gesellschaft der Tang-Zeit einen überragenden Stellenwert ein, von den militärischen Erfordernissen abgesehen waren private Reitställe , die dem reinen Vergnügen dienten, verbreitet wie nie zuvor und auch nicht mehr danach. Die Zahl der Pferde in den staatlichen Gestüten soll von wenigen Tausenden bis zu ca. 700.000 am Höhepunkt der Epoche gestiegen sein. Die große Expansion der Tang verschaffte dieser Dynastie neue Kontakte zu Völkern, die für ihre Pferdezüchtungen einen Ruf hatten. Das Polo, aus Persien eingeführt, wurde zu einem beliebten Sport. Im Bereich der Grabbeigaben dominieren eindeutig die Pferde vor allen anderen Tieren und spiegeln somit die hohe kulturelle und auch wirtschaftliche Präsenz, die dem sicher beträchtlichen Aufwand ihrer Investition anhaftete. Als Grabbeigabe ist dieses sancai glasierte große Beispiel selbstverständlich Ausdruck von Rang und Wohlhabenheit und hat sich somit in der Grabanlage eines entsprechend Nobilen befunden.
Anm.: Dieses Sancai-Pferd wurde mittels der Thermolumineszenz-Analyse zeitgemessen. Das Zertifikat Nr. C103j60 von Oxford Authentication bestätigt die oben angegebene Zeit.
In jeder namhaften Publikation über die Zeit der Tang-Dynastie sind diese geradezu weltbekannt gewordenen Sancai-Pferde vorzufinden. Beispielsweise in ZHONGGUO WENWU JINGHUA DAQUAN, Taibei 1993, eine Übersicht über knapp ein Dutzend Beispiele stilistisch ähnlicher Sancai-Pferde verschiedenster Größen und Ausführungen (ab Seite 149). Es zeigt sich sehr deutlich, ja es erscheint gleich einem Prinzip, daß den Werkstätten immer wieder wie spielerisch eine Variante da und dort eingefallen ist. In HAN TANG TAOCI DAQUAN, Taibei 1992, ist gleichfalls ein Überblick über verschiedenste Varianten gegeben, sehr ähnlich das Beispiel auf Seite 226 (H 77 cm), ausgenommen Frisur und Schabracke.<br /><br /> CH-295, CH-389



