LI TAIBO

LI TAIBO

Netsuke, Okimono und Inro - Ausstellung 2005

Code: NEF-005

Netsuke, Elfenbein

Japan

1. H. 19. Jh.

Höhe 4,3 cm

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Ein sehr smart ausgeführtes Elfenbeinfigürchen mit vermutlich der Darstellung des großen Tang-Dichters Li Taibo (oder Taibe). Jener aus dem 9. Jh., diese Netsuke-Arbeit ziemlich exakt 1000 Jahre später! Darauf hätte Li sofort ein Glas Wein erhoben! Li war eine faszinierende Figur, einige seiner Gedichte zählen zum Herrlichsten auf dieser Welt, über ihn könnte man lange und in manchem verzückt schreiben, er muß ein großer Freigeist gewesen sein, als Dichter ein Genie, als Trinker ein Großunternehmer. Da er zur Li-Familie (Li = Pflaume) gehörte, die damals das Kaiserhaus stellte, konnte er am Hof nach Belieben aus- und eingehen. Einmal kam er, pfiff dem Obereunuchen und ließ sich von ihm die Stiefel ausziehen. So was war eine ungeheure Erniedrigung und die Eunuchen ohnehin stets heikel bis gefährlich, auch weil mit der Kaiserin innig im Intrigengewebe verstrickt. Die dann auch prompt darauf bestand, daß Li Taibo für immer entfernt wurde*. Hier im Netsuke ist er durch die chinesisch-höfische Gewandung ausgewiesen sowie durch den zum Mond gerichteten Blick. Charaktervoll ausgeführt ist der Kopf, auf dem Gewand typisch chinesische Xiangcao-Ranken. Übrigens heißt es, daß er - habituell trunken - beim Betrachten des Mondes vom Boot aus sich so weit zurückgelehnt haben soll, daß er ins Wasser geplanscht und ertrunken sei. Schöne Patina der kleinen Netsuke-Arbeit, Himotoshi im Gesäß des Dichters.

Experte: Wolfmar Zacken

* Im Prinzip lauft das nahezu parallel zu einem noch früheren Dichter, Tao Yuanming (gest. 427), in Japan weniger schön "Toyenmei" genannt, der gleichermaßen aufmüpfig wie weinbegeistert und für seine Chrysanthemenzucht berühmt war; auch er findet sich mitunter als Netsuke-Motiv ...