MITSUHARU: GROSSER SHISHI MIT BALL

MITSUHARU: GROSSER SHISHI MIT BALL

Netsuke von Meistern - Ausstellung 1989

Code: Ne89-008

Netsuke, Elfenbein

Japan

18. Jh.

Höhe 4,9 cm

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Man wird in dieser Ausstellung einige Shishi vor­finden. Als Motiv ist er gewiß keine Seltenheit, jedoch kann seine Ausführung höchst unter­schiedlich bewältigt sein. Dieser hier ist ein prominentes Beispiel, ein erstklassiges Netsuke in dem prägnanten Kyoto-Stil. Der stilistische Zusammenhang mit der Tomotada-Linie ist evident. Mitsuharu wird bereits im Soken Kisho als Netsuke-Meister angeführt, MCI schreibt Mitte 18. Jh. Offensichtlich war er aber ein eher zurückgezogen arbeitender Einzelgänger, denn viel mehr ist sonst von ihm nicht bekannt. So sind seine Netsuke, sofern sie echte Mitsuharu sind, sehr selten (das heißt nicht, daß alle mit Mitsuharu bezeichneten Netsuke gleich Fälschungen sind, nein, der Name Mitsuharu, hübscherweise wörtlich „Leuchtender Frühling", war keine Rarität). Der Kyoto­er Mitsuharu schien seine Sujetwahl ganz genau zu goutieren, die Wahl kann bei ihm sehr unter­schiedlich ausfallen und nahm er sich eines oftmals gefragten Motivs, wie des Shishi oder Tigers an, so ist jede dieser Darstellungen bei ihm eine eigene Kreatur, ein Charakter ganz für sich. LZ bildet einen sehr ähnlichen Shishi ab, gleich ist er in keinem Punkt. Erstaunlich, wieviel vitale Kraft hineinzustecken diesem Netsuke-Meister möglich war, ein wenig erinnert das an Hexerei. Spricht man bei den Netsuke von einer Kunst der Skulptur, so wurde dieser Anspruch gerade von solchen Meistern wie Mitsuharu legitim gemacht. Dieser Shishi ist Skulptur, nicht einmal gar so im Kleinen. Jedenfalls ist seine Ausstrahlung derart stark, daß er sich ohne Zweifel größer macht als er tatsächlich ist. Wie sprühend seine Emanation ist, zeigt das Bild seines Kopfes auf dem Katalogumschlag. Dieser Shishi (wörtlich Löwe) wendet sich direkt an uns, er ist weder beson­ders grimmig noch ins Süßliche diminutiv, er ist Metapher und große Kreatur zu einer ungewöhn­lich geschlossenen Einheit verwachsen, als solche spricht er zu uns. Nun kann man über seine Ikonographie philosophieren. Die weiße blanke Kugel, die er hält oder bewacht, auf die er hin­weist und von der er verkündet, ist hier bestimmt keines Spielzeuggedankens wert, sondern ist Sphäre, ist Welt, Kosmos, Licht, Erkenntnis, Transzendenz, Nirvana. Sie ist Essenz und Spirituali­tät. Für den Netsuke-Meister ist sie ein ideales Mittel, die Komposition gut abzurunden und den­noch Gegensätze als Spannung mitwirken zu lassen. So besitzt die gesamte Skulptur zwei Pole, den expressiven, auf geistige Weise furiosen Kopf und die Kugel, welche eine Verklärung in sich trägt. Auch graphisch kommt dieser Kontrapunkt zwischen meditativer Glätte und irdisch beweg­ter Strömung in den Haarspiralen wirkungsvoll zum Ausdruck. Besonders dramatisch natürlich das Gebiß und — noch mehr — die wirklich scharfen Krallen, auf der Makellosigkeit des Balles. Auf diesem unterseits die Signatur in einer ovalen Reserve, daneben der sehr tiefe Himotoshi­Gang, der am Rücken wieder hervorkommt. Sehr gute Erhaltung, Patina vor allem rückseits.

Experte: Wolfmar Zacken