RATTE

RATTE

Faszination Jahrtausende China - Ausstellung 2004

Code: FJ4V-107

Terrakotta mit Resten originaler Bemalung

China

Frühe Tang-Dynastie, 618 - 907 nach Chr.

HÖHE 20,6 cm.

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An dieser Darstellung ist so hinreissend, daß sie einerseits stupend einfach gearbeitet ist, anderseits der Kopf aber eine genauso stupende, sehr stimmige, lebensvolle Darstellung des Wesens vorweist. Diese feinfühlige, ganz ins Zentrum gehende charakterliche Wiedergabe, äußerlich dabei sehr bescheiden sich zeigend, wird durch eine leicht irreale körperliche Gestaltung, die das Tier größer macht als in der Natur gegeben, überhöht. Man könnte diese Ratte durchaus mit einem Känguruh vergleichen, aber dieser Anschein müßte von der Seite des Künstlers her natürlich vollkommen ungewollt sein, eher schon, daß ein kleiner an Fabelwesen orientierter Überwesenszug hier eingeflossen ist. Das recht muskulöse Tier sitzt aufrecht, hat die vorderen Pfoten aber nicht aufliegen. Daß die Ratte die Nr. 1 im Zodiak ist, mutet seltsam an, war doch sicher in der alten Zeit die Rattenplage eine permanente. So hört es sich auch recht sarkastisch an, wenn die Interpretation des nächtlichen Nagegeräuschs einer Ratte „Geld zählen“ sein soll. Man arrangierte sich mit der Unvermeidlichkeit, man versuchte dieser Witz und vielleicht sogar - wo eigentlich Schaden entstand - einen Glücksaspekt abzugewinnen. Weil die Mäuse und Ratten am häufigsten dort sind, wo die Speicher am vollsten sind, wurden sie zu einem Sinnbild des Reichtums, in Japan sogar zum Symbol einer Reichtumsgottheit (Daikoku). Ansonsten ist das die Nakula (Mungo), dieses bekannte Symboltier des Reichtumsgottes Kubera oder Jambhala, der in China Caishen genannt wird. Die Chinesen machten aus dem rattenähnlichen Mungo, das ihnen nicht so besonders sinnfällig erschien, einen Goldbarren. Als Grabbeigabe war die Bedeutung der Tierkreisdarstellung als ganze Gruppe apotropäisch, darin lag sein hauptsächlicher Sinn. Siehe auch die beiden Terrakotta-Darstellungen aus dem Zodiakus in Nr. 105 und 106.

Experte: Wolfmar Zacken

Anm.: Betreffend Messung im TL-Verfahren siehe Nr. 105 aus derselben Fundgruppe.