SEHR GROßE SKULPTUR EINER AUF EINEM OCHSEN STEHENDEN GRABWÄCHTERGOTTHEIT
SEHR GROßE SKULPTUR EINER AUF EINEM OCHSEN STEHENDEN GRABWÄCHTERGOTTHEIT
Faszination Jahrtausende China - Ausstellung 2004
Code: FJ4V-108
Terrakotta mit reichlichen Resten der originalen Bemalung
China
Tang-Dynastie, 618 - 907 nach Chr.
HÖHE 126,3 cm.
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Ein herrlich attraktives Beispiel eines Wächtergottes, der im allgemeinen auch - trotzdem dieser Typus keine Attribute trägt - „Lokapala“ genannt wird, das sind die buddhistischen „Weltenwächter“. Dieser aufrecht stehende Zhenmushen (wörtlich „Grabwächtergottheit“) beeindruckt aufgrund seiner ausdrucksvoll gestalteten Gesichtzüge, seines Helmes und seiner Rüstung, aber auch sehr aufgrund seines martialischen Standes auf dem Öchslein (proportional gesehen). Viele schwungvoll-dekorativ ausgeführte Einzelheiten lassen sehr an einen barocken Stil denken, weiters der elegante Schnurrbart dieses Zhenmushen sogar an einen Spanier. Eine Hand stemmt er in eine Hüfte, die andere ist nach vorne gehalten und zu einer Faust geschlossen - Ausdruck seiner grimmigen Entschlossenheit, eindringende Geister zu vernichten. Das spiegelt auch sein Gesicht mit den großen, sehr expressiven Augen wieder. Die Stirn darüber ist in kräftige, fast vertikale Falten gerunzelt. Mehrere geschwungene Elemente (und auch das gute Bäuchlein) lockern die martialische Erscheinung jedoch sehr auf. Da ist vor allem eine Ruyi-förmige Figur in Unterleibshöhe, weiters die Spiralen auf der Brust (sie sind sehr ähnlich zu jenen auf dem ca. 1000 Jahre älteren Gefäß in der Nr. 77), weiters die seitlich spitz wegstehenden Schultern, besonders dann aber die frontale Kontur des Helms! Das markant hochstehende Helm-Emblem hat die Erscheinung einer „Magischen Perle“. Zwischen den Beinen hängt ein Schurz und die Bekleidung der Beine zeigt auch eine dekorative Neigung. Das Öchslein ist stämmig, es hat auch schwer zu tragen, und es ist skulptural sehr in sich geschlossen ausgeführt, wie ein Amboß nahezu. Die Reste der sinnenfrohen Bemalung zeigen, daß man im Grabesdüstern ganz auf möglichst unterhaltsame und aus der Düsternis hervorleuchtende Farbkombinationen aus war. Die Wirkung muß exzellent gewesen sein. Eine munter-arabeske Detailzeichnung war auch gegeben, einige Reste lassen das sehr gut noch erahnen. Witzig ist das beispielsweise auf der Haube - ein lockeres Muster wie ein Leopard. Oder Blüten auf den Armen, bei solch einem schreckeinjagenden Krieger! Das Grab sollte in der planungsvollen Ausgestaltung eben nichts Steif-Trauriges, schon gar nichts Depressives sein, sondern reich mit Glanz und lebensvoller Üppigkeit versorgt sein. Diese in allem sehr authentische und dokumentarische Grabwächterskulptur gibt das sehr gut erlebbar wieder!
Anm.: Diese Terrakotta wurde im TL-Verfahren gemessen. Das Zertifikat Nr. VHTL-P-761 des Instituts für Konservierungswissenschaft der Universität für angewandte Kunst in Wien bestätigt die oben genannte Zeit.
Diese charaktervollen Grabwächter finden sich in jeder umfassenderen Literatur über die Kunst der Grabausstattung der Tang-Zeit Chinas. Von den so manchen Beispielen, die wir bereits zeigen konnten, darf an das sehr wirkungsvolle Exemplar in unserer Auktion vom November 2002 erinnert sein (Nr. 34, H 141 cm). Jener Zhenmushen stand auf einem Hirsch und hielt eine Schlange hoch. Ein ähnlicher "Lokapala", gleichfalls auf einem Ochsen stehend, ist in SOTHEBY´S London, Juni 2002, in der Katalognummer 7 abgebildet (H 86).



