RARE SCULPTURE OF THE BODHISATTVA SARASVATI

RARE SCULPTURE OF THE BODHISATTVA SARASVATI

Asian Art - Auction 16 June 2012

Code: AK612-007

Wood with a coloured base, bronze gilded, gilded copper repoussé and turquoise

Nepal

early 16th century

HEIGHT 54.5 CM, OF THIS THE PEDESTAL HEIGHT 11 CM, PEDESTAL WIDTH 35.7 CM

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Characterful sculpture of the goddess Sarasvati. Herbody is very feminine which also corresponds with the style of the era. The red colour of her body emphasises her erotic aspect. She has four arms and carries a very effectively designed gilded crown. Her breasts are hemispheres and her waist is almost extremely narrow, her sitting position is „casual“ (a lalitasana pose). One leg is drawn in, the other droops, it was standing on an own small pedestal (pitha). Her lively and stylistically noble face reflects part of her nature. Sarasvati is indeed supposed to have been somewhat proud. She is depicted with four arms, her upper right hand holds the pustaka (book). Her upper left hand holds a small ball between its fingers (cincihna mudra) with the gesture of „holding a grain of knowledge“. Both of the main hands show that the goddess plays a string instrument, the vinya itself is no longer present. The gilded crown offers masterly repoussé work. The turquoises are decoratively bordered and show blazing beads. A small but expressive mythical creature head is located below the large front. The crown has five prongs and suggests that this Sarasvati was regarded as a buddhist bodhisattva. A garland can also be seen from one side of the crown (also gilded) and the large, oval earrings have a fine lotus leaf edge with turquoises in the centre. The painting is detailed, jewelled bracelets and necklaces are multiply painted. On her top half, Sarasvati wears a flimsy silk robe which is densely decorated with diamond shapes, flowers and floral twines. A type of „collar“ can also be seen. Her legs are dressed down to the shackles. A very shiny (due to the patina shaded) cinnabar is predominantly painted on. Heavily painted lotus leaves can be seen on the pedestal. This very rare sculpture impresses with its overall expression and the masterly workmanship in many details. The decorative paint is largely well maintained, but faded due to age. There are some old, minimum wormholes, individual parts have been lost. The four arms, however- something which is quite rare - are fully intact and the fine facial features are practically unaffected. The sculpture is aimed at believers, there is no painting on the reverse en detail.

Expert: Wolfmar Zacken

From the property of a German royal house

Kupferrepoussé vergoldet und Türkise. Nepal, frühes 16. Jh. HÖHE 54,5 CM, DAVON SOCKELHÖHE 11 CM, SOCKELBREITE 35,7 CM
Charakter- und wirkungsvolle Skulptur der Göttin Sarasvati, die auch Brahmani genannt wird, da sie Gattin der dreiköpfigen Hochgottheit Brahma war. Ihr Körper in der Darstellung betont feminin,zugleich aber auch sehr fest ausgeführt, was auch dem Stil der Zeit entspricht. Die rote Färbung ihres Körpers verstärkt ihren erotischen Aspekt. Sie ist vierarmig und trägt eine sehr wirkungsvoll ausgeführte vergoldete Krone. Ihre Brüste sind Halbkugeln und die Taille ist fast schon extrem verjüngt, ihr Sitz ist „lässig“ (eine Lalitasana). Ein Bein ist angezogen, das andere hängt herab, es stand auf einem eigenen kleinen Podest (Pitha). Ihr lebensvoll und im Stil edel gearbeitetes Gesicht spiegelt einiges von ihrer Natur. Sarasvati soll nämlich nicht einfach sondern etwas hochmütig gewesen sein. Ursprünglich war sie eine vedische Gottheit mehrerer Flüsse und eine Göttin der Fruchtbarkeit und auch Reinheit. Später identifizierte man sie mit der Göttin Vac und sie wurde als Schutzherrin des Wissens, der Rede, der religiösen Poesie und der Musik verehrt. Der Göttin Lakshmi war sie eine Rivalin. Es gibt von Sarasvati sehr viele Varianten und auch ihre Attribute können vielfältig sein. Das hauptsächliche und ihr bekanntestes ist jedoch die Vinya, eine Stablaute mit zumeist sieben Saiten. Bemerkenswert ist, daß Sarasvati sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus existiert, in letzterem als Göttin im Mahayana bzw. weiblicher Bodhisattva. Darauf weist (neben dem Lotussockel) auch der Chignon auf dem Kopf hin, der etwas seitlich verdreht ist und somit eine ausgleichende Gegenbewegung zu den musizierenden Armen bereitet. In dem Bildnis ist sie vierarmig, die rechte obere Hand hält das Pustaka (Buch). Die linke obere Hand hält zwischen den Fingern eine kleine Kugel im Gestus des „Erfassen eines Körnchens von Wissen“ (Cincihna Mudra). Somit gilt Sarasvati auch als Herrin der Kenntnis. Die beiden Haupthände zeigen, daß die Göttin auf einem Saiteninstrument spielt, die Vinya selbst ist nicht mehr vorhanden. Eine kleinere nepalesische Sarasvati im Bostoner Museum aus Bronze (um 1500) zeigt ähnliche körperliche Form, hat auch Pustaka und keine Vinya. Ein starker Akzent ist dem Bildnis durch die vergoldete Krone verliehen, die eine sehr meisterliche Treibarbeit bietet. Die Türkise sind ornamental umrandet und stellen flammende Perlen dar. Unterhalb der großen frontalen befindet sich ein kleiner, aber ausdrucksvoller Fabeltierkopf. Die Krone ist fünfzackig und ein Hinweis, daß diese Sarasvati als buddhistischer Bodhisattva angesehen wurde. Von der Krone fällt auf einer Seite noch eine Girlande (auch vergoldet) und der große ovale Ohrenschmuck trägt feinen Lotusblattsaum und im Zentrum wiederum Türkise. Die Bemalung dieses Kultbildnisses ist detailliert und dürfte eine wie magische Wirkung ausgeübt haben. Das Gesicht ist hell gewesen. Schmuckbänder und -ketten sind vielfach gemalt dargestellt. Auf dem Oberkörper trägt diese Sarasvati ein hauchdünnes Seidengewand, das dicht ornamental mit Rauten, Blüten und floralen Ranken verziert ist. Auch eine Art „Kragen“ ist plastisch vorhanden. Delikat ist, daß sich in diesem Obergewand ein Ausschnitt befindet, der vom genannten Kragen zwischen den Brüsten hinabführt. Die Unterarme sind - wenngleich heute mehr schwärzlich - hell gewesen, also nackt. Die Beine sind dagegen bis zu den Fesseln bekleidet. Ein sehr leuchtendes (aufgrund der Patina abgedunkeltes) Zinnoberrot ist überwiegend aufgemalt. Auf dem Sockel zeigen sich - fast schon simpel gemalt - Lotusblätter, aber signalhaft-symbolisch gesehen sind sie von einer besonders deutlichen Wirkung. Die Sarasvati ist eine sehr eigentümliche und genaugenommen seltene Göttin. Sie ist im Hinduismus und im Buddhismus gleicherweise präsent. Man kann ihr in Japan, China, im Himalaya begegnen, ja sogar im Theravada-Buddhismus (etwa Ceylon, Burma). Sie ist aber keine sehr volkstümlich gewordene Gottheit, wie etwa die Guanyin in China oder die Tara und Padmapani im tibetischen Raum. Mit der Syama Tara - eine beliebte Schutzgöttin - hat sie im Bildnis eines gemeinsam, nämlich die Sitzhaltung. Im Los Angeles County Museum gibt es einen nepalesischen Shiva, der die genau gleiche Haltung hat wie die vorliegende Sarasvati - Sitz und vier Arme, ausgenommen natürlich das Halten einer Vinya. Dieser etwas kleinere Shiva aus Bronze ist recht feminin gearbeitet, ohne Brüste natürlich und er ist sofort als Hindu-Gottheit an der Haarkrone zu identifizieren. In Nepal existierten beide Religionen, beispielsweise sind die Newar in Patan Buddhisten gewesen, Bhatgaon war von Hindus besiedelt und in Kathmandu war es gemischt. Diese Sarasvati dürfte aus dem frühen 16. Jh. stammen, das ist die Zeit der Drei Malla-Reiche. Bis 1480 regierte Yakshamalla und bescherte Nepal eine lange, über ein halbes Jahrhundert währende Periode der Stabilität, der wirtschaftlichen Prosperität und einer Blütezeit der Künste. Dann aber machte er den oft geschehenen Fehler, sein Reich unter drei Söhne zu teilen – so sind ab 1480 (bis 1768) die Königreiche von Bhatgaon, Banepa und Kathmandu entstanden. Diese Skulptur von der Göttin bzw. dem Bodhisattva Sarasvati ist eine sehr seltene, beeindruckend in ihrem gesamten Ausdruck sowie der meisterhaften Bearbeitung in vielen Einzelheiten. Die malerisch-dekorative Farbfassung ist größtenteils gut erhalten, jedoch abgedunkelt. Einige alte, minimale Wurmlöcher, einzelne Teile sind verloren gegangen. Es sind jedoch die vier Arme - eine Seltenheit ohnehin - gänzlich vorhanden und es sind die feinen Gesichtszüge nahezu unbeeinträchtigt. Die Skulptur ist ganz zum Gläubigen hin ausgerichtet, auf der Rückseite befindet sich keine Malereien detail.