© Galerie Zacke
Katalognummer: HOK1009-025
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Schwarze Tusche auf Papier
Japan
19. JH.
BLATTGRÖßE 29,6 x 23,7 CM
Bildkunst

RAKKAN AUF MATTE (ODER DARUMA?). Hokusai hat immer aus dem realen Leben gegriffen, es ist ihm wenig um mythologisch-religiöse, möglicherweise verklärende Inhalte gegangen. Auch ist der Rakkan ein im buddhistischen Japan sehr häufig anzutreffender Typus gewesen und da es sehr viele verschiedene gegeben hat, dürfte die Wiedergabe von irgendeinem aus der Gruppe mit dem Reiz verbunden gewesen sein, spezielle Charaktere glaubhaft vorzubringen und zu variieren. Im Abendland würden die Apostel den Rakkan nahekommen, welche die Schüler bzw. Nachfolger des historischen Buddha gewesen sind. „Rakkan“ entspricht (bei gleichen Schriftzeichen) dem „Luohan“ (früher Lohan) im Chinesischen sowie dem „Arhat“ im Sanskrit. Diese Rakkan, 500 an Zahl, gehen auf das erste buddhistische Konzil in Rajagriha gleich nach dem Ableben Buddhas zurück, an dem angeblich 500 Schüler Buddhas teilgenommen haben. Der engere Kreis besteht jedoch nur aus den erlesenen 16 Rakkan. Der Arhat hat in Ostasien jedoch eine entscheidende Veränderung erfahren, hauptsächlich in China und in Zusammenhang mit dem dortigen Daoismus und dem Chan-Buddhismus (Zen in Japan). Das zeigt auch dieses Bildnis sehr wirkungsvoll, der Arhat ist nämlich viel mehr ein knorriger Weiser, ein langlebiger und nicht unterzukriegender Anachoret, aber auch ein Magier! Hier sind deutliche Verbindungen zum japanischen Sennin zu erkennen, noch mehr allerdings zu den alten daoistischen Magiern, deren wichtigstes Anliegen war, des Lebens Endlichkeit zu überlisten. Stärkster Hinweis darauf ist das Gewand - ein wahres Felsgebirge, und der Fels (bzw. Berg) ist von China her ein Sinnbild unendlichen Lebens. Der Kopf des Rakkan zeigt einen lebenserfahrenen, alten, aber auch listigen Mann, der bärtig ist und vom Gesichtstypus her dem bäuerlichen Kreis entstammt. Das „Gebirge“ sitzt auf einer Matte und trägt einen Heiligenschein, wie sie bei den Rakkan üblich sind, so wie auch Ohrringe. In einer Hand hält der Dargestellte einen Gegenstand, der flüchtig gezeichnet ist. Er könnte aber durchaus ein Hossu (Wedel) sein. Dann wäre dieser Rakkan jedoch eher ein Daruma und wenn Sie mit der Nr. 24 vergleichen, ist sogar eine gewisse Ähnlichkeit in den Gesichtszügen gegeben. Was aber bezüglich des Motives nichts besagt, denn der Künstler kann bestimmte physiognomische Merkmale eine gewisse Zeit im Kopf gespeichert haben. Auch Daruma hat Ohrringe getragen und ist bärtig gewesen, was bei den Arhat eher weniger vorkommt. Auch sitzt er auf einer geflochtenen Matte (einer Tatami) zur Meditation. Der „Hossu“ ist keineswegs klar als solcher zu erkennen, es könnte auch ein Pfeiflein sein, dem Rauch entströmt. Das wäre zwar unüblich, aber dem gerne karikierenden Hokusai durchaus zuzutrauen. Wenn auch das Gewand in Rakkan-Darstellungen (bzw. Luohan) selten ein „Gebirge“ wiedergibt, so kommt es doch immer wieder vor, daß sie auf einem Felsen (oder einem deutlich felsigen Sockel) sitzen. Es ist Eigen-art und besondere Kunst des Hokusai, mit seinem Pinsel einen wirklich knorrig-felsigen „Kerl“, unverwüstlich und sehr philosophisch zugleich, mit menschlicher Wärme zu versehen, mit einem teils zittrig-suchenden, im Rakkan-Erlebnis für Minuten ganz aufgehend vorangebracht zu haben. Schon dieser Heiligenschein, als würde er langsam - gleich der Sonnenscheibe - hinabsinken und den Rakkan für immer alleine lassen, ist eine feine ironische Pointierung, aber nein, die Sonne kommt ja auch erneut und immer wieder! So spiegelt sich auch der große Kreislauf in diesem einfachen, vielleicht ein wenig müden Gesicht, „unendlich lange“ zu leben, darf wohl seine Spuren hinterlassen ... Insofern ist der Gegensatz zwischen „felsigem“ Gewand, das in seiner Zeichnung spannend von einem dünneren Strich zu einem ausdrucksvoll schwarz-fetten wechselt, das Felsenfest-Immerwährende kündet, und dem von weiser Skepsis milde durchzogenen Antlitz von bemerkenswerter Lebenskraft. Provenienz R. Sawers, London

Expertise:
Wolfmar Zacken