© Galerie Zacke
Katalognummer: HOK1009-019
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Schwarze Tusche und Farbe auf Papier
Japan
19. JH.
BLATTGRÖßE CA. 27,5 x 39 CM
Bildkunst

DER TANZ DER SPERLINGE. Dieser Tanz wird „Suzume no Mai“ genannt, worin Suzume der Spatz bzw. Sperling ist und „Mai“ der Tanz. Der Spatz ist in Japan als ein Glückssymbol bekannt, aus einem ganz einfachen Grund, weil er sich gerne groß aufplustert. Das nennt man „fuku“, das ist aber zugleich homophon zu „Fuku“ dem „Glück“. Dieser Glücksspatz wird also „Fukura Suzume“ geheißen. Er ist auch ein beliebtes Kinderspielzeug, weiters ein Sinnbild der Freundschaft sowie des Bauernfleißes. Das Bildnis bietet 7 Tänzer, alle sind gleich angezogen und tragen einen schwarzen Haori sowie einen oktogonalen Hut. Auf dem Rücken befindet sich bei jedem Tänzer ein rautenförmiges Mon (ein wappenartiges Symbol). Die Kleidung des Unterleibes ist wie bei einem Sumo, sehr wenig, das Gesäß ist weitgehend unbedeckt und die Beine sind ganz nackt. Sechs der Tänzer wenden uns mehr oder weniger ihre Rückseite zu, nur einer (der ganz rechts außen) bietet uns seine Vorderansicht, jedoch nicht sein Gesicht, das ist unter dem Hut verborgen. Die Bewegungen sind alle sehr lebendig eingefangen, es findet tatsächlich ein Tanz statt, jeder Körper hat eine andere Neigung, hat anders die Beine geschwungen, hat eines angezogen oder ausgestreckt. Raffiniert getan ist, wie die kurzen schwarzen Ärmel bei einigen tatsächlich wie Fittiche wirken, Hokusai nützte die Eigenheit des Pinselstriches, er zog keine Kontur, sondern setzt knapp und gezielt eine Fläche hin, die an der Ansatzstelle die Unregelmäßigkeit der Pinselhaare zeigt. Die Tänzer bilden einen Halbkreis, im Vordergrund, etwas links von der Bildmitte, liegt eine geflochtene Matte am Boden. Sie ist, so wie auch alle Hüte und Partien der Mon, rötlich eingefärbt. Es heißt, dieser Spatzentanz, dieser Suzume no Mai, sei wesentlich von Hokusai inspiriert. So wie auch der Spatz als kompaktes Spielzeug möglicherweise die Erfindung eines bekannten Künstlers (des Masanao von Kyoto) gewesen sein soll. Irgendeine ältere kultische Wurzel des Spatzentanzes ist nicht bekannt. Es hat jedoch im „Yakko Odori“ einen möglichen, satirisch gearteteten Vorläufer gegeben. „Yakko“ sind Gehilfen gewesen, die dienstbeflissen „umherflatterten“ und als solche parodiert wurden („Odori“ ist nur eine andere Lesung von „Mai“, der Tanz). Im beliebten Märchen „Shitakiri Suzume“ (vom Spatz mit der abgeschnittenen Zunge) ist im Happy-End eine Tanzszene, welche die Kinder und Enkelkinder des seiner Zunge beraubten Vogels aufführen. Dieser Tanz ist dann als Suzume no Mai besonders in ländlichen Kreisen beliebt geworden. Hokusai hat sich sichtlich auch daran begeistert, jedenfalls ist ihm in dieser Darstellung das Tänzerische erstaunlich locker und inspiriert gelungen. Provenienz R. Sawers, London Anm.: Im Ausstellungskatalog „Hokusai - Drawings and Watercolours“ vom Art Council of Great Britain, London 1954, ist ein sehr ähnliches Blatt abgebildet, „Men performing the Sparrow Dance“, Nr. 55. Kleidung, Haltung etc. ist nahezu ident, es sind aber nur vier Tänzer gemalt. Die „Matte“, die in unserem Blatt am Boden liegt, ist dort eindeutig ein Hut der Tänzer, obwohl alle einen auf haben. In „L’Art Japonais“ von Gonse (Paris 1883) ist auf der selben Seite, auf der unsere Nrn. 1 und 4 abgebildet sind, auch der Sperlingstanz zu sehen, 11 Tänzer, wiederum der Hut am Boden, jedoch eine weitere Person an einem Schreibtisch. In Hokusai’s „Manga“, dem Skizzenbuch, ausgeführt in der Holzschnitttechnik, gibt es einige Darstellungen dieses Tanzes als Bewegungsstudien - in vier Reihen jeweils vier Tänzer, jeder bietet eine andere Haltung, auf einem anderen Blatt sind es gar siebzehn. Das Mon ist in allen genannten Darstellungen stets das gleiche. In der Manga tragen die Tänzer zusätzlich Schurze und sind die Ärmel graphisch als „Flügel“ hervorgehoben. Zwar sind in der Manga mehr noch exzentrische Bewegungen dargestellt, dennoch ist die Malerei, wie sie hier vorliegt, in ihrer lebendigen Erfülltheit doch deutlich mehr tänzerisch bewegt und in dieser Hinsicht viel mehr räumlich wirkend fließend-dynamischer.

Expertise:
Wolfmar Zacken