© Galerie Zacke
Katalognummer: HOK1009-024
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Schwarze Tusche auf Papier
Japan
19. JH.
BLATTGRÖßE 23,5 x 36,3 CM
Bildkunst

SCHLAFENDER DARUMA. Der Begründer des Zen-Buddhismus hieß Bodhidharma und wird in Japan kurz Daruma (statt Bodaidaruma) genannt. Er war indischer Abstammung und hat im 5./6. Jh. gelebt. Der Zen-Buddhismus wurde von ihm in China begründet, typisch für diese Richtung ist die meditative Praxis. Daruma lebte zuletzt im bekannten Shaolin-Kloster und ist vermutlich dort auch verstorben. Wie man weiß, hat es besonders in Japan, wo Daruma eine sehr volkstümliche Erscheinung ist, sehr viele Daruma-Porträts gegeben, sie sind alle leicht als „Daruma“ zu erkennen, auch ganz ohne attributive Hinweise. In der vorliegenden Malerei hat der Künstler sich daran erfreut, den großen Patriarchen des Zen schlafend, vielleicht auch nur dösend-nachdenklich wiederzugeben. Vor allem aber nicht „grimmig“ oder betont als indischer „Exote“, wie er manchesmal erscheint (etwa von Bokkei, 15. Jh.), sondern mehr wie ein kleiner, etwas beleibter Mönch, der müde geworden ist, der seinen Hossu (Wedel, sein häufigstes Attribut) auf den Boden gelegt und ein Bein angezogen hat, auf dem er seine Arme aufliegen und den Kopf darein gelegt hat. Daß Daruma auf etwas wilde, struppige Weise bärtig ist, ist aus der japanischen Sicht unverzichtbar und auch hier gezeichnet. Aber er hat ein gutmütiges Gesicht, eine kleine breite Nase, gerade wie ein Bäuerchen sieht er aus. Seine Augen sind vielleicht nicht ganz geschlossen, es könnte sein, daß er nachdenklich zu Boden schaut. Hokusai hat sich dem in Daruma-Bildnissen meist ausgeführten bohrenden Blick offenbar bewußt nicht angeschlossen, sondern eine ganz andere innere Stimmung und Natur aufgesucht. Dennoch ist Daruma auch hier ein Energiebündel, aber eben von einer kleinen menschlichen Schwäche, vom Meister der Karikatur feinsinnig enthüllt, wie von einem transparenten Schleier überdeckt. Der große Heiligenschein hinter ihm hebt ihn jedoch deutlich als spirituell außergewöhnliche Person hervor. Die faltenreiche Kutte, bei Daruma im Stoff meistens gerne als eher grob wiedergegeben, zeigt den typisch eckigen, wie nervös nach Ausdruck und Verlauf suchenden, aber um ihn auch sehr wissenden Pinselstrich. Dieser reizt dazu, seinem Verlauf zu folgen, Beginn und Ende jeder Strecke festzustellen, man vermag sich da den Künstler erstaunlich ins Leben zu rufen, der Pinsel und die Hand Hokusais treten richtig in den Vordergrund. Diese Eigenart ist ein wichtiges bildbelebendes Element, fast so wie in einer verträumten Landschaft ein eckig-unruhig mäandernder, quirlig-reissender Bach. Die Malerei dieser Falten umspielt lebensvoll den Körper, die Knie sind in ihrer Konturierung deutlich mit einem kräftigeren Strich gezogen. Ein Zipfel der Kutte liegt vor Daruma auf dem Boden, ein Teil seines Gewandes ist links von ihm ausgebreitet. Die Zehen seines linken Fußes sind sichtbar. Ansonsten ist nur noch der Fliegenwedel, im Japanischen Hossu genannt, der hart am vorderen Bildrand liegt, dargestellt. Der Hossu war ein Vorrecht der Zen-Meister und ist aus den Schwanzhaaren vom Yak oder Pferd gebunden. Provenienz R. Sawers, London Anm.: Daruma ist bei Hokusai ein seltenes Motiv. Harari bildet auf Seite 255 in sehr ähnlicher Haltung einen Holzfäller ab. Anstelle des Hossu liegt vor diesem aber eine Kiseru (japan. Pfeife) auf dem Boden. Betreffend Daruma und Hokusai sei eine amüsable Geschichte erwähnt, die sich in Nagoya im Jahr 1817* ereignet haben soll. Dort schmähte man ihn als keinen „richtigen“ Künstler, weil er zu kleine Formate male. „Wenn’s nur um die Größe geht“, soll er gemeint haben, „dann werd’ ich’s Euch zeigen!“ Daraufhin soll er einen Daruma auf ein enorm riesiges Papier gemalt haben, das aus vielen Blättern zusammengesetzt war und ein Format von angeblich „194 Metern“ hatte, berichtet Goncourt. Holzschnitt-Illustrationen, welche die gaffende, staunende Menge vor diesem auf Bambuspfählen hochgezogenen Riesenposter wiedergeben (etwa von Enkoan oder Eikyo), zeigen ein dagegen doch viel bescheideneres Format, ca. 6 bis 10 Meter. Auch Forrer schreibt, daß „ein Zehntel wahrscheinlicher ist“ (in Hokusai, Prints and Drawings, Seite 33). * Auch das Datum 1804 gibt es, da soll von ihm ein Daruma für ein großes Fest in Edo (Tokyo) gemalt worden sein, Länge „180 Meter“.

Expertise:
Wolfmar Zacken