© Galerie Zacke
Katalognummer: HOK1009-015
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Schwarze Tusche und Farben auf Papier
Japan
19. JH.
BLATTGRÖßE (INSGESAMT) CA. 27,5 x 35,7 CM
Bildkunst

HOTEI MIT SEINEM SACK. In unseren Breiten ist dieser sehr volkstümlich beliebte Fukujin (Glücksgott) als der „Dickbauchbuddha“ bekannt, was zumeist eine verkitschte Vereinfachung ist, weil er im engeren Sinn kein Buddha ist, aber (wie ein jeder von uns) einmal einer werden kann (gewiß jedoch früher als unsereins, der dazu durchschnittlich Jahrtausende benötigen würde). In China wird Hotei (bei gleichen Schriftzeichen) Budai genannt (früher „Pu-tei“), wörtlich ist die Bedeutung in beiden Fällen „Hanfsack“. Diesen hat er immer bei sich und auch Hokusai belustigt sich an ihm und stellt ihn sehr in den Vordergrund, ja der Sack (von dem keiner weiß, was sich wirklich darin befindet) bedeckt fast den ganzen Hotei. Der aber stapft unverzagt trotz des sichtlichen Gewichtes dieser Bürde. Budai (Hotei) hat zur Zeit der späten Tang-Dynastie als Mönch gelebt, sein richtiger Name war Zhang Tingzi. Er soll korpulent, freundlich, stets zu Späßen aufgelegt gewesen sein, er war stark und sein Lieblingsaufenthalt war weniger das Kloster als die Jahrmärkte, obwohl er den Titel „Chanshi“ führte, „Meditationsmeister“. Hokusai gibt ihn auch auf dem Weg zu so einem Markt wieder, denn Budai wird kaum mit dem Großsack an einer Bambusstange über seiner Schulter im Kloster umherspazieren. Jedem, dem Budai-Hotei geläufig ist, weiß auch, daß er ein sehr beliebter, ja begehrter Wetterprophet war, ein Jahrmarkt-Meteorologe, und nach seinem Tod im frühen 10. Jh. soll er überhaupt zum weitum unverzichtbaren Spezialisten auf diesem Gebiet aufgestiegen sein. Hier geht’s mit ihm natürlich ins Übersinnliche, und damit steht auch in Zusammenhang, daß er als eine Inkarnation des Buddhas der Zukunft gilt, dessen Name im Sanskrit Maitreya ist (in Japan Miroku). Budai, der Mönch, soll das am Tag seines Ablebens behauptet haben. Hokusai gibt ihn dagegen sehr tatendurstig und voll weltlichem Leben wieder. Ein kleiner, rundlicher, sehr kräftiger Mann, ein Nimmersatt im vollen Leben, ungeeignet für stille Zurückgezogenheit, ein seltsamer Widerspruch, der sich da offenbart. Von Budai gibt es einen bekannten Spruch - als er von jemandem auf einem randvoll mit Menschen gestopften Marktplatz gefragt wurde, was er hier täte, soll seine sehr mürrische Antwort gewesen sein „Ich suche Menschen“. In der Wiedergabe von Hokusai sieht Hotei mehr wie ein Sumo-Ringer aus, unbezwingbar und verliert er einmal, dann lacht er herzlich - zugleich aber mit undurchschaubar bösen Augen! Der Kopf ist kugelrund, die Arme sind athletisch, mehr ist vom Hotei - bis auf die nackten Füße - nicht zu sehen. Der grüne Bambusstock ist dünn und nicht durchgebogen, der Sack entweder ganz leicht oder sein Gewicht liegt weitaus mehr auf den Schultern. Die Zeichnung des Sackes ist mit großzügigem Schwung getan, die Fläche ist ganz unbemalt, die feinfasrige, leicht faltige Papierstruktur gibt den „Hanfsack“ perfekt wieder. Auf ihm hat Hokusai zwei wellige Linien in versierter Lockerheit gezogen, sie bedeuten, daß der Sack zusammengesetzt ist. Hotei, mehrheitlich rötlich im Fleisch und sehr gut plastisch schattiert, läßt ein Stück Gewandteil sehen, das lichtblau bemalt ist. Auf der gesamten Bildfläche befinden sich noch zwei weitere Darstellungen, die separat gemalt wurden und dazugesetzt sind. Die eine zeigt einen am Boden sitzenden Mönch, der eine vertikale Schrifttafel hält. Die dritte Zeichnung bietet ein röhrenförmiges, hohes Behältnis, das sich nach oben hin weitet und aus dem ein Gewächs ragt. Provenienz R. Sawers, London Anm.: Harari bildet auf Seite 245 ein Kakemono von Hokusai ab, das Hotei auf einem riesigen Sack liegend darstellt. Auch in dieser Malerei ist der Sack unbemalt und der Hotei fleischig-rötlich ausgeführt sowie figürlich sehr klein, korpulent und rundlich. Das Gesicht kommt dem in der vorliegenden Malerei sehr nahe. Dieses Kakemono stammt aus der Zeit um 1838. In Tempeln Chinas wird Budai, dickbäuchig, in der Tat als „Buddha“ bezeichnet, obwohl er nie den für einen Buddha typischen „Schädelauswuchs“ trägt. In Japan zählt Hotei zu den „Sieben Glücksgöttern“, den Shichi Fukujin. Typisch für ihn, vom Bauch abgesehen, ist sein Lachen, mitunter lauthals. Bekannt sind auf irgendeine Weise die berühmten „Zehn Ochsenbilder“, eine beliebte philosophische Parabel im Zen-Buddhismus. Die oft auftretende Darstellung des flötespielenden Knaben auf dem schweren Ochsen ist daraus. Budai-Hotei ist eine Verkörperung des 10. Bildes. Der spirituell freiheitsgesinnte Zen-Mönch vermag sich in die Vielfalt des ganz gewöhnlichen Lebens (Marktplatz) zu mischen und dort aufgrund seiner geistigen Kraft den Weg Buddhas zu gehen und ihn vorbildhaft - als einzig sinnvoll zu begehendes Muster - aufzuzeigen. Siehe auch die Nr. 2, der Ochs mit dem Knaben.

Expertise:
Wolfmar Zacken