© Galerie Zacke
Katalognummer: DA316-280
VOGELPÄRCHEN AUF EINEM BLÜHENDEN AST
Original Farbholzschnitt
China
18. Jh.
24 x 29,5 CM

Original-Farbholzschnitt aus der Zehnbambushalle

Expertise:
Wolfmar Zacken

Aus der ehemaligen Sammlung Wilhelm und Walter Exner, Bad Wildungen, in den 70er-Jahren von Walter Exner direkt erworben. Die erste Ausstellung mit schönsten Beispielen aus den Werken Zehnbambushalle und Senfkorngarten präsentierten wir 1975 (Sammlung Exner). Weitere Ausstellungen waren dann 1990 (Sammlung Exner) und 1995 (Sammlung Henri Vever, Paris).

Zehnbambushalle und Senfkorngarten sind Namen von Studios gewesen, die sich mit künstlerischen Drucken in Farben befassten, damals eine Weltneuheit! Beide Titel sind übrigens Kurzfassungen, komplett lauten sie: SHI-ZHU-ZHAI SHU-HUA-PU, Zehn-Bambus-Halle (getreuer: „Studio“) und danach „Kalligraphie (und) Malerei“ (Shu-Hua) sowie Pu (Register, Handbuch), somit „Sammlung von Kalligraphien und Malereien aus der Zehnbambushalle“ Der Senfkorngarten hat den vollen Titel JIE-ZI-YUAN HUA-ZHUAN. Jie-zi-yuan ist der Senf-korn-garten (in gleicher Abfolge), Hua > Malerei und Zhuan bedeutet Roman oder „verbreiten“, somit „Lehrbuch der Malerei vom Senfkorngarten“. Von beiden Werken hat es mehrere Ausgaben zu verschiedenen Zeiten gegeben. Heute sind sie samt und sonders aufgrund verschiedener Brände und anderer Einwirkungen sehr selten, manche Blätter äußerst selten. (Winzinger vermutet weltweit nur rund 900 Farbblätter) Die einzigen bis dato bekannten großen Sammlungen chinesischer Holzschnitte sind die von Exner (später Galerie Zacke), Vever (Paris), teilweise ebenso von der Galerie Zacke angeboten und Winzinger (präsentiert in der Albertina, Wien 1975, Sammlung Winzinger). Die Zehnbambushalle hatte die erste Ausgabe 1633, die erste „große“ 1643. Zentraler Kopf dieses Studios war der 1582 geborene Hu Zhengyen, der über 30 Künstler in seinem Studio in Nanjing beschäftigte. Die Zehnbambushalle bringt in 8 Bänden verschiedenste Motivgruppen - Orchideen, Bambus, Pflaumenblüten, runde Fächer, Felsen, Früchte und Vögel. Band 1 ist gemischt. Der Senfkorngarten ist ebenfalls in Nanjing entstanden, die ersten Teile ab 1677 und 1679, der letzte nur schwarzweiß gedruckte 1818. Verleger war Shen Xinyou, der aber mit der Durchführung den Maler Wang Gai beauftragt hat. Der Senfkorngarten ist mehr didaktisch, aufgrund seiner lockeren Vielfalt und erzählerischen Weise wurde er sehr beliebt und war für den Verlag ein gutes Geschäft auf lange Zeit. Anhand einzelner Bilder ist nicht immer ganz leicht zu erkennen welchem der beiden Werken das betreffende Blatt zuzuordnen ist. Bindung, Format, Ränder, Kalligraphie und Motive sind dazu die entscheidenden Anhaltpunkte. Sofern Texte im Bild ausgeführt sind, handelt es sich zumeist um kurze Gedichte, die in der Regel mit der Darstellung nur am Rande Zusammenhang aufweisen.