© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-001
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Black ink on paper
Japan
19th century
SIZE CA. 27,3 x 36,5 CM
Visual Art

DER HELD ROCHISHIN AUS DEM SUIKODEN. Diese Malerei ist bereits 1883 in dem großen Buch „L’Art Japonais“ von Louis Gonse im Band I auf Tafel 7 (nach Seite 286) abgebildet. Gonse hat dieses ungewöhnliche Blatt vom bekannten Maler Kyosai erworben, der es wiederum direkt aus dem Nachlaß von Hokusai bezogen hat. Dargestellt ist - verblüffend kraftvoll belebt - der erste „Held“ aus dem berühmt gewordenen Roman aus dem 13. Jh., dessen Titel im Japanischen „Suikoden“, im Chinesischen „Shuihuzhuan“ lautet, siehe Weiteres in der Anm. ganz unten. Der Name Rochishin ist im Chinesischen Lu Zhishen. Wie in China üblich wäre der Familienname somit „Lu“, es ist jedoch sein Name, den er als Mönch bekommen hat, denn aufgrund seiner seltsamen, übermäßig von Körperkraft gezeichneten, über 2 Meter hohen Erscheinung verspotteten die Klosterbrüder ihn heimlich. „Lu“ heißt nämlich „schwerfällig“ und „Zhishen“ würde „tiefe Weisheit“ bedeuten, nach der deutschen Übersetzung von Kuhn wurde er aber treffend zweideutig „Tiefgeist“ genannt. Hokusai ist betreffend das Suikoden (den Roman aus China) sozusagen ein Experte gewesen. Er hat nämlich als erster Künstler (ab 1807) die 90 Bände der Übersetzung ins Japanische von Kyokutai Bakin und Takai Ranzan illustriert. Später hat er sich in seinem „Chugi Suikoden Ehon“ (1829) dem Thema nochmals gewidmet. Nach ihm arbeiteten daran auch Toyokuni, Shigenobu, Gakutei und Kuniyoshi, der es in seinem packend ausgeführten Opus „Tsugoku Suikoden Goketsu Hyakuhachi Nin“ geschafft hat, alle 108 (= hyakuhachi) Helden darzustellen, „Goketsu“ ist der Held. W. H. Edmunds schreibt dazu, daß Kuniyoshi „diese friedlichen und liebenswerten Helden wieder auf ihre dem Roman entsprechende Räubernatur zurückgeführt hat“. Das mit den „Räubern“ ist sicher auch nicht ganz richtig, da sie ja zugleich Rebellen waren, siehe in der Anm. Diese epische „Räubergeschichte“ wäre kaum dermaßen interessant, wäre sie nicht so vielschichtig und unterhaltsam, auch aufwühlend, wodurch sie schließlich einen wichtigen Platz in der Literatur Chinas eingenommen hat. Hokusai kommt jedenfalls in der vorliegenden Malerei dieser inneren „Authentizität“ sichtlich problemlos nahe, da er ja nichts idealisiert oder ins Märchenhafte oder Dekorative verschiebt, oder gar ins verklärende Schwelgen neigt, nein, er hat offenbar diese sehr seltene Befähigung, das mit Hilfe von Vorstellungskraft (nach der Romanvorlage) illuminierte Bildnis wie direkt aus dem Leben hervortreten zu lassen. Offensichtlich wendet sich Hokusai auch an reale Vorlagen, denn der Kopf dieses Rochishin ist unzweifelhaft aus seiner Umgebung, aus dem realen Leben gegriffen, vielleicht (oder sicher) hat er von sich selbst auch was beigemischt, jedenfalls findet sich dieser prägnante Gesichtstypus oftmals, auch in Blättern unserer Ausstellung. Man beachte aber die Form des Kopfes, die Stirn ist ausgesprochen „Tiefgeist“, zum Hinterkopf hin erfolgt jedoch eine starke Höhung so wie der Schädelauswuchs auf einem Buddha, also „tiefe Weisheit“. Das einzige und ausschlaggebende Attribut zur Identifizierung des Rochishin ist in dieser Malerei der lange Eisenstab, ganz schwarz gemalt, mit einem zangenförmigen Kopfstück und einem roten Band, wenig unterhalb davon befestigt. Sehr oft wird dieser Suikoden-Räuber (der davor ein Hauptmann der Polizei war) mit seinen Tätowierungen mit Pflaumenblüten dargestellt, Hokusai verzichtete offenbar bewußt darauf. Er bietet uns einen starken, ja athletischen Mann, der in seinem Gemüt dagegen einfach, ehrlich, hilfsbereit, offen-direkt ist, natürlich auch seine witzige, allem Humor freundlichst zugetane Seite hat. Darum ist er auch kein eigentlicher Räuber bzw. Mörder, diese Ambivalenz hat Hokusai natürlich kräftigst gereizt. Rochishin ist nur außergewöhnlich körperstark, das hat einem Fleischer, der ein unschuldiges Mädchen zu hintergehen plante, darum auch das Leben gekostet. Es war aber nicht die Eisenstange, die er erst später erwarb (er bestellte eine 50 kg schwere, einigte sich sodann mit dem Schmied auf 30 kg), sondern seine Fäuste, „groß wie Essignäpfe“. Rochishin, der als Hauptmann Lu Ta hieß, sagte noch ganz naiv zu dem bereits am Boden liegenden, verbleichenden Fleischer, „stell dich tot, so viel du willst, ich werd’ schon mit dir abrechnen“ - und stapfte von dannen ... Hokusai gestaltet den ganzen Oberkörper des Mannes wie ein durchdringendes Anspannen aller Muskeln. Beide Arme sind gerade ausgestreckt und halten ein Bein, als würden sie einen Felsblock an sich ziehen. Der Wechsel von tiefschwarzen Stellen zu lichtgrauen und rötlich eingefärbten ist voll der spannendsten Abwechslung. Rochishin sitzt auf einem breiten niedrigen, mit viel Stroh gepolsterten Tisch. Der bärtige Kopf ist weitgehend kahl. Als er nach seiner Flucht in ein Kloster aufgenommen ward (es lag bzw. liegt auf dem hohen Wutaishan und ist ein sehr altes aus dem 1. Jh.), bekam er die Tonsur verpaßt. Hokusai erlaubt sich die Freiheit, wie in so manchen anderen Malereien auch hier zwischen bestimmten Vorgegebenheiten ad libitum zu agieren, Grenzen wie spielerisch zu behandeln und auch subtil-spöttisch aufzuweichen. Die Ohrläppchen des Rochishin sind nämlich überlange und es hängen an ihnen sogar doppelte Ringe. Das läßt sogleich an den Zen-Patriarchen Daruma (Bodhidharma) denken. Rochishin als chinesischer Hauptmann hat sie sicher nicht so getragen - eine feine satirische Facette, deren Spur Hokusai hier auf sehr eigene Weise verfolgt. Die gesamte Geschlossenheit von Zeichnung und Malerei ist bewundernswert, dazu die spontane Kraft des Ausdrucks, die uns ein Bildnis anbietet, prall von Hokusai’scher Vitalität und dessen großer Befähigung zu wie elementar wirkender Plastizität, aber genauso von purer Fiktion. Auch in dieser Bildkomposition sind diagonale Achsen maßgebend. Der schwere Eisen-stab, den die Längsachse des Tisches in einem rechten Winkel schneidet. Die dritte, massivste Achse aber hat sodann Rochishin inne, der selbst wiederum aus mehreren besteht. Sein angezogener Fuß beispielsweise liegt exakt in der Achse des Tischchens, Gewandfalten wiederum in der des eisernen Stockes. Bei dem relativen Wirrwarr an Linien eine erstaunlich sichere Handhabung und auf Wirkung konzentrierte Inszenierung, die alles zusammenschließt, übergeordnet fügt und lebendigste Hokusai’sche Inspiration der Strichführung inkludiert. Anm.: Der chinesische „Räuberroman“ Shuihuzhuan, in Japan Suikoden, ist viel mehr, als nur eine erbauliche, abenteuerreiche Lektüre - aufgrund seines subversiv-anarchistischen Grundtones ohnehin nur für ganz bestimmte Liebhaber. Verfaßt wurde er im 13. Jh. von Shi Naian aus Luoyang. Li Zhi, berühmter Literat im 16. Jh., hat als erster den aus über 100 Kapiteln bestehenden Roman mit Kommentaren versehen, er selbst war anti-konfuzianisch, exzentrisch und ein Streiter auf der Seite der Unterdrückten. 1641 folgten die ersten literaturkritischen Studien von Jin Shengtan, der, weil er rebellische Studenten unterstützt hatte, enthauptet wurde. Dieser Räuberroman ist weitaus mehr ein - in manchen Zügen sogar historisches - Rebellenepos, das sich gegen die ins Maßlose gediehene Korruption und Mißwirtschaft der Song-Dynastie wendet, beherrscht von einer Gelehrten- und Beamtenkaste, die aber andererseits (etwa in der Keramik, Malerei, Kalligraphie, Literatur) eine außergewöhnlich elitäre Epoche bewirkte. Diese einzigartige Bloßstellung, die der Roman gleich dem Aufreißen eines Vorhanges darbietet, mußte natürlich zu Verbot, zu Verbrennung auch der Druckstöcke, ja zu Verfolgung der Leserschaft führen, selbst bis ins 18. Jh. Bei uns ist der Roman unter dem Namen „Die Räuber vom Liangshan-Moor“ geläufig. „Shan“ ist der „Berg“ und dieser war das Jagdgebiet des Fürsten Xiao Liang, deshalb der Name. Der Ort befand sich in Shandong, eine Provinz südlich von Peking, der Gelbe Fluß fließt durch sie und mündet in die See. Vom westlichsten Zipfel dieser Provinz ist es unweit nach Kaifeng (damals Hauptstadt der Song) und nach Luoyang, beide Städte nächst dem Gelben Fluß gelegen. Der Anführer der Rebellen, der den Namen „Song“ hatte, ist historisch und wurde angeblich 1122 (weil alle Versuche der militärischen Überwältigung gescheitert waren) vom Kaiser begnadigt. Es ist also nicht verwunderlich, daß aus den Rebellen vom Shuihuzhuan richtig glorreiche, viel publizierte, ergreifende Helden wurden! Im Roman im dritten Kapitel wird Rochishin von einem Mann aus der Mandarinklasse „als edler Streiter für Recht und Gerechtigkeit“ angesprochen. Übrigens: Das „Zhuan“ am Ende von Shuihuzhuan bedeutet „historischer Roman“ und das „Shui-hu“ wörtlich „Wasser-Ufer“. Die japanische Übersetzung Sui-ko-den ist analog und mit gleichen Schriftzeichen. Die Provenienz dieser Malerei läßt sich bis Hokusai zurückverfolgen. Sie stammt aus einer Folge von 46 Bildern (ursprünglich als Querrolle montiert), die von Louis Gonse 1880 aus der Sammlung von Kawanabe Kyosai erworben wurde, der sie direkt aus dem Nachlaß von Hokusai erstanden hat.

Expertise:
Wolfmar Zacken

Kyôsai soll (laut Gonse) diese wie ein „Heiligtum“ verehrt und aufbewahrt haben, war aber - aufgrund seiner Trunksucht und aus ihr resultierendem Geldmangel - gezwungen, sie zu verkaufen. 1880 erstand dann Louis Gonse diese Querrolle von Kyosai und publizierte über sie erstmals in seinem Werk „L’art Japonais“ (Paris 1883) im ersten Band auf Seite 282?-?286 sowie in Tafel 7. Seinen enthusiastischen Text drucken wir anschließend ab. Auch Edmond de Goncourt gibt eine kurze Beschreibung dieser Querrolle in seinem Buch „Hokousai“ (Paris 1896, S. 309?-?310). Im Mai 1924 wurde die Querrolle bei Drouot in Paris versteigert (Lot 267, „Rouleau où ont étè assemblés 46 croquis, dessin pour la pluspart aquarellé et gouaché, représentant des fleurs, des oiseaux, des -papillons, des personnages, d‘une exécution exquise. Sur une fiche extérieure, on lit : Katsushika Hokusai Mangwa Jo“ (Album). Sie kam in den Besitz von Felix Tikotin (über ihn im großen Vorwort), der nicht nur Sammler sondern auch Kunsthändler war und die Querrolle in einzelne Bilder teilte und an verschiedene Museen, Sammlungen sowie private Sammler verkaufte. Die hier angebotenen Malereien aus genannter Rolle stammen alle aus der Sammlung E. Biedermann, der sie direkt von F. Tikotin (nachmals Genf) erworben hat. Alle hier präsentierten elf Arbeiten waren vielfach in verschiedenen ausländischen Museen und Sonderschauen ausgestellt, die dazu entsprechenden Hinweise, soweit verfügbar, sind bei den jeweiligen Bildbeschreibungen vermerkt. Über die Querrolle ist außer von L. Gonse und E. de Goncourt bis heute mehrfach publiziert worden u.a. von Mathi Forrer, James Hillier etc. Es sind alle Bilder unsigniert und bedauerlicherweise gibt es keine komplette Aufzählung der in diesem Kakemono einstmals enthalten gewesenen Werke. Welche Sicherheit bietet sich nun bezüglich der hier aufgelisteten elf Malereien - daß sie aus dieser viel genannten und irgendwie „berühmt“ gewordenen Querrolle auch tatsächlich stammen? Zum Ersten sind Katalognr. 1 und 4 bei Gonse abgebildet und ist die Nr. 4 überdies im Text erwähnt. Bei Goncourt sind die Katalognr. 4, 9 und 10 gelistet, die Nr. 10 ist mit einem Hinweis auf das Ippitsu Gafu (Seite 241?-?43) versehen, siehe Näheres darüber in unserer Beschreibung. Eine weitere Sicherheit, daß alle elf Arbeiten von Hokusai aus genannter Querrolle sind, ist, daß sie zu Lebzeiten Tikotins (dem - als einer der großen Sammlerpersönlichkeiten - ein -eigenes Museum in Haifa gewidmet wurde) im Zeitraum 1954 bis 1984 in verschiedensten Ausstellungen museal gezeigt, in den jeweiligen Katalogen abgebildet sowie beschrieben wurden sind und durchwegs als Herkunft die „berühmte“ Querrolle, die über Kyosai und Gonse nach Europa gekommen ist, angegeben wird. Diese Ausstellungen fanden statt im Art Council in London, im Musée d’Ixelles in Brüssel, in Martigny in der Schweiz, in der Kunsthalle in Baden-Baden sowie in einem Fall auch in den USA. Diese Abfolge von Ausstellungen hat bereits 30 Jahre nach dem Verkauf der kompletten Bildrolle begonnen, somit zu einem Zeitpunkt, als die Zusammenhänge noch sehr gut klärbar bzw. auch nachprüfbar waren. Seitens diverser Fachleute bzw. Hokusai-Experten ist nie bezweifelt worden, daß es sich um Arbeiten handelt, die aus Hokusai’s eigenen Händen stammen sowie aus der vielzitierten „Querrolle“, in der sie vormals montiert waren. Gonse vermutete angesichts der gesamten Rolle, daß die Arbeiten zwischen 1810 und dem Lebensende von Hokusai entstanden sind, eine Zeitspanne von fast vier Jahrzehnten. Geht man von den in „L’art Japonais“ von Gonse abgebildeten Stücken (Nr. 1 und 4) aus und vergleicht mit den anderen Malereien, so ist die Nr. 1 zwar besonders herausragend, es ist aber auch ein unübersehbarer durchgehender Zusammenhang hinsichtlich des Spontanen sowie der stilistischen Ausdrucksweise des Pinsels, seiner ganz bestimmten Führung und erkennbaren Konzentriertheit gegeben, kurz gesagt, ist es recht eindrücklich, daß all das Gezeichnete (bzw. Gemalte) der Hand sowie dem Geist des Hokusai entsprungen ist. Selbstverständlich sind „Dynamik“ und „Spontaneität“ oder Fülle des Pinsels und Kraft im Aufsetzen nicht genormt, sie sind es nie und bei keinem. So gibt es darin immer wieder leichte bis stärkere Schwankungen und somit Unterschiede, ein Bild kann bedächtiger, stiller, nachdenklicher oder auf mehr gezielt-direkte Art erfüllt und wie in einem kraftvollen Satz hingesetzt sein, oder überhaupt mehr zugewandt dem Naturhaft-Poetischen, was bei Hokusai in seiner Ausdrucksweise überhaupt zwei sehr gegensätzlich wirkende Welten sein können. Wie überhaupt stilistische Wechsel - auch stärkere - bei diesem Künstler nachgewiesen sind. Hat man selbst einmal intensiv gemalt, dann ist solcherlei völlig selbstverständlich, reflektiert bloß das innere oder äußere bzw. von außen nach innen und vice versa sich auswirkende Leben in all den zahllosen Facetten, Spiegelungen und Wechselfällen wieder. In den gemalten „Zeichnungen“ aus dieser Querrolle eine zusammenhängende Identität ihres „schöpferischen Wesens“ zu erkennen, fällt wirklich nicht schwer. Text von Louis Gonse in „L’art Japonais“ (erschienen 1883) zu dieser Querrolle mit Malereien von Hokusai, aus der nachfolgend die Nr. 1?-?11 unseres -Kataloges sind, lautet folgendermaßen: „Was die sechsundvierzig Aquarelle angeht, in verschiedenen Größen und aus verschiedenen Epochen, so sind sie alle von außerordentlicher Schönheit. Nie ist eine geschicktere Hand über das Papier geeilt. Es ist unmöglich, sie ohne Gefühl zu berühren. Das ist das Absolute, das ist die japanische Kunst mit einem Höchstmaß an Vollendung, an Frische, Lebendigkeit und Originalität. Motive aller Art, Studien von Gesichtern, Gesten und Haltungen, Blumen, Früchte, Insekten, Schmetterlinge in bunt schillernden Farben und Jungtiere voller Kraft folgen aufeinander und zeigen unerwartete und besondere Aspekte der Natur, eingefangen von einem einzigartigen Auge. Jede Seite ist eine geniale Komposition, ein vollendetes Stück, dem auch die strengste Kritik nichts hinzuzufügen wüsste: hier eine Zikade auf einem Kürbis oder ein um einen Hortensienzweig fliegender Spanner, dort eine an einer Scheibe Wassermelone nagende Ratte oder eine sich in einem Glas tummelnde Silberkarausche. Erwähnt werden sollte, dass einige dieser Motive sich in den gedruckten Alben wiederholen, allerdings nie in identischer Form. Ihrer Ausführung nach gehören sie in die dreißig letzten Lebensjahre des Künstlers, das heißt in seine beste Zeit. Die, was den Reichtum des Stils betrifft, schönsten sowie durch Geschmack und Pinselstrich gleichermaßen prägnantesten Bilder sind diejenigen, die am spätesten entstanden scheinen. Es gibt einige Studien von Philosophen, die würdig wären, von Rembrandt signiert zu sein, und das meine ich wörtlich. Einige seiner Aquarelle sind wahrscheinlich erst nach 1840 gemalt, die ältesten nicht vor 1810. Hokusai hat sich immer weiter perfektioniert. Seine Sinne haben nie nachgelassen. Hierzu habe ich im Nachwort der ersten und sehr seltenen Auflage des ersten Bandes von „Die hundert Ansichten des Berges Fuji“ (Fugaku Hyakkei) eine sehr bemerkenswerte Aussage von Hokusai selbst gefunden, die Dietkins und Anderson unbekannt war. Ich bringe hier die wörtliche Übersetzung: „Seit ich sechs Jahre alt war, war ich von dem Drang beseelt, die Formen der Dinge zu zeichnen. Im Alter von fünfzig habe ich eine Unmenge von Zeichnungen veröffentlicht, aber nichts von dem, was ich bis zum Alter von siebzig geschaffen habe, befriedigt mich. Mit dreiundsiebzig schließlich habe ich so ungefähr die Form und die wahre Natur der Vögel, Fische, Pflanzen usw. begriffen. Demnach werde ich im Alter von achtzig Jahren große Fortschritte gemacht haben, mit neunzig werde ich den Dingen auf den Grund gegangen sein, mit hundert werde ich wirklich ein unbestimmbares höheres Stadium erreicht haben und im Alter von hundertzehn wird alles, sei es nun ein Punkt oder eine Linie, von wahrem Leben erfüllt sein. Mögen die-jenigen, die ebenso lange wie ich?* leben werden, sehen, ob ich mein Wort halte.“ * Hokusai ist 1849 im Alter von knapp 90 Jahren verstorben

Ausgestellt und publiziert: 1954 in London in „Hokusai, Drawings and Watercolours“ vom Arts Council of Great Britain, im Katalog die Nr. 46. 1956 in Eindhoven, Holland, im Stedelijk Van Abbe-Museum, im Katalog die Nr. 119. 1981 im Musée d’Ixelles in Brüssel, im Katalog „Aquarelles et dessin japonais ...“ die Nr. 92 (dort steht - übersetzt - „einer der Helden aus dem Suikoden von Bakin“; Bakin war aber nur Übersetzer). Weiters in der Kunsthalle von Baden-Baden 1984, Nr. 22.