© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-027
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Black ink on paper
Japan
19th century
SIZE CA. 25,5 x 20 CM
Visual Art

EIN GANZ SELIGER IM SAKE WIRD ABGESCHLEPPT. Es fällt mir dazu der Spruch ein „Sake wa hyaku yaku no cho“, „Sake ist die beste aller Medizinen“. Weitaus bemerkenswerter ist an dem Blatt aber die Komposition der beiden sichtlich Ungleichen. Vergleicht man mit dem Blatt der Nr. 18 (Sake-Genießer ..), mit diesem intelligenten, feinschliffigen Kopf des Mannes, der mit seiner Sakazuki (Schale) dringlichst nach Sake begehrt, so ist dieser auch hier abgebildet. Es ist sehr zu vermuten, daß es sich um keinen gewöhnlichen Menschen handelt, sondern - diese Annahme dürfte nicht zu weit gefaßt sein - um einen bekannten Schauspieler (siehe die Anm.). Wir haben in Blatt 18 das Trinken, dann das Erbrechen, hier haben wir die Glückseligkeit im Sake-Rausch und das unerbittliche Faktum, daß ein selbständiges Nachhause-Gehen jetzt nicht mehr möglich ist. Irgendeine Person, vermutlich der Hausdiener, wurde zu Hilfe gerufen und leistet diese auch kräftig. Er hat es ja nicht zum ersten Mal zu machen, reine Routine. Der „Schauspieler“ hält seinen Kopf hoch, er hat starke Verinnerlichung zum Firmament, den ganzen Kosmos saugt er ein und bietet uns dabei sein Profil mit der elegant gebogenen Nase und dem so fein spöttischen Mund! Die sichere, zugleich lockere Zeichnung seines Kimono ist meisterlich. Eine amüsante Facette findet sich in den Füßen, Hokusai hat den einen äußersten nicht fertig gezeichnet, hat ihn diffus schwarz aquarelliert, so als würde er sich in einem tiefen Schatten verlieren. Seltsamerweise paßt das in der gesamten Bildbalance sehr gut. Der Hausdiener, der ein dümmliches Gesicht trägt, hat natürlich seine Mühe mit ihm, denn ab dem Moment, da unser Schauspieler merkte, daß er gestützt wird, hat er sein ganzes Körpergewicht hineinsacken lassen. Der Diener trägt ein dunkles Gewand, die Muster darauf sind einfache Kreuze. Der Kimono des berauschten Genießers ist dagegen hell und von einem voluminöseren, mehr „theatralischem“ Auftritt. Im Gürtel steckt übrigens ein kleines Täschchen, möglicherweise eine Kinchaku (Börse). Beide Dargestellten tragen an ihren Füßen Waraji. Es ist ein gewisser Genuß, den Strich des Hokusai zu verfolgen, besonders an den Beinen, wie er das „Knackige“ darstellt, noch mehr das Physiognomische des Trunken-Seligen, dieser Wechsel vom Feinen, geradezu Sake-Duftenden zur Überfülle des Kimono, in welcher der Künstler bzw. sein Pinsel sich geradezu wie unwirsch geriert. Provenienz R. Sawers, London Anm.: „Schauspieler“ ist aus folgenden Gründen zu vermuten - der Mann trägt kein Schwert, aber einen teuren Kimono; die Gesichtsbildung hebt ihn hervor; der Typus des Sich-Übergebenden aufgrund des zu reichlichen Sake-Genußes ist als „Schauspieler“ eingeführt (manchesmal ist auch eine Theatermaske dabei, die ihn als „Spaßmacher“ in einem No-Kyogen ausweist). Das Sake-Thema ist ein beliebtes, man denke nur an die Shojo, die immer trunken ist, oder an die „Drei Trunkenbolde“, die Sannin Jogo (Jogo ist der „Trinker“), die delikaterweise Jizo, Emma-O und ein Oni sind. Emma-O ist der Höllenfürst und Jizo ein buddhistischer Bodhisattva, beide werden in der Hölle für ihre Trunkenheit bestraft. Oder die „Drei Sake-Tester“, die Susui Sankyo, welche Buddha, Laozi und Kongzi (Konfuzius) sind! Welche Schamlosigkeit! Ein Held auf Bergeshöhe mit drei Sake-Fässern ist übrigens kein Trunkenbold, der einsam und mit großer Aussicht genießt, sondern die Gottheit Susano-O, die mit dem Sake einen Drachen betäubt hat!

Expertise:
Wolfmar Zacken