© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-028
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Black ink on paper
Japan
19th century
SIZE CA. 27,5 x 39 CM
Visual Art

EIN SCHWARZES ROSS UND EIN WEISSES. Was Hokusai zeichnerisch vermochte, führt dieses Blatt auf recht erstaunliche Weise vor. Die Pferde sind so überaus unbehindert belebt, daß die Malerei wie zu einem filmisch Ablauf, zu einem direkten Blick in ein Gestüt wird, in dem zwei der Tiere ihrer verspielten Laune freien Lauf lassen. Wie beispielsweise das schwarze Roß Mähne und Schweif wirbeln läßt, wie überhaupt gerade dieses Tier mehr oder weniger wie ein einziger Muskel aussieht. Die direkte Gegenüberstellung von schwarzem und weißem Pferd, eine typische Yin-Yang-Konstellation, verstärkt die dreidimensionale Raumwirkung. Zum ungezwungenen, heiteren Leben im Bildnis tragen sehr die paar eingestreuten Studien von Pferdebeinen bei, auch die Flecken, wo der Künstler ungeniert die Auftragsstärke des Pinsels getestet hat. Auch an diesem Blatt ist es faszinierend zu verfolgen, wie Hokusai im Strich genau vorgegangen ist. Jedenfalls waltete über allem sein einzigartiges Geschick, daß aus vielen einzelnen, oft kurzen Strecken, manchesmal wie suchend, wie beinahe am Sich-Verirren, ein spontan belebtes, organisches Ganzes auf eine nahezu wundersame Weise entstand. Das Pferd, Uma genannt, befindet sich im Tierkreis. In Japan wurde es sehr verehrt, es galt als Symbol von Ausdauer, Kraft, Männlichkeit und wird mit der Sonne in Zusammenhang gesetzt (vielleicht deshalb die in Japan nicht seltene auffällige Annäherung ihrer Körper an eine Kreisform). Weiße Rösser wurden gerne Shinto-Tempeln übergeben, dort lebten sie frei, durften nicht zur Arbeit genützt werden und galten als heilig. Ansonsten spielen Pferde in Zusammenhang mit Heldensagen und in Märchen und Legenden eine ganz große Rolle und sind vielfach präsent. Provenienz R. Sawers, London

Expertise:
Wolfmar Zacken