© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-013
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Ink and colors on paper
Japan
19th century
SIZE 26,2 x 15,8 CM
Visual Art

ABGESCHLAGENER KOPF IM GRAS. Dieser Enthauptete ist ungleich direkter präsent, stark im Vordergrund und übt seine Faszination auf völlig andere Weise aus! Es ist darum unumgänglich, zum anderen Geköpften in Nr. 12 ganz direkt zu vergleichen. Aufgrund des doch markanten Unterschiedes ist man nämlich durchaus geneigt, den anderen als „feminin“ zu empfinden, denn die Enthauptung auch einer Frau ist natürlich nicht auszuschließen. Der Kopf hier dagegen prangt in seiner Männlichkeit und man vermag sich in ihn zu versenken, in seinen ganzen physiognomischen Ausdruck, was er war, verbrochen hat, seinem Aussehen nach vielleicht ein Dämon oder Räuber! Dagegen stimmen sogleich sehr ruhig die Blüten (Astern), die den Kopf umgeben, die ihre zarte Schönheit wiegen, und das Blut, das in Strömen fließt, gewinnt an seltsam gestimmter Melodie, verliert seine Gräßlichkeit, erhebt sich zu einem gerechten, mehr ins Zierhafte gewandelte Adernwerk. Es schönt auf naturhaft-zierende Weise das Unschöne des Kopfes, der eine schwarze Igelfrisur, buschige Brauen, Bart trägt usf. Fein gemalte hohe Gräser unterstreichen das Exzentrisch-Exzessive der Darstellung, zugleich aber besänftigen sie wiederum mit ihrem Wiegen. Der Kopf wird zum dramatisch gelösten (exekutierten) Exempel, zur Genugtuung, zu einem zugleich erstaunlich neugierigmachenden Exponat aller Vergänglichkeit (selbst der Ungerechtigkeit), die an ihm und aus ihm dahinfließt (siehe unten den Ausstellungstitel von Baden-Baden, der hier wörtlich zutrifft!). Der Künstler hat all das mit bewundernswert sicherem Pinsel dargelegt - Dichte, feine Nuancen, Kompression und - diese Befreiung! Auf der Rückseite eines Kartons, der zu diesem Bild gehört hat, ist u.a. das Gedicht von Charles Baudelaire „Les fleurs du mal“ aufgeklebt, mit überraschend hintergründiger, ironievoll-poetischer Beziehung zu dem Bildnis des Enthaupteten: „Dein Weg, oh Schönheit, führt dich über Leichen, das Grauen dient dir als Geschmeid und schenkt dir Lust. Doch mit dem Mord kann sich kein andrer Schmuck vergleichen - er tanzt als Kronjuwel verliebt auf deiner Brust!“ Baudelaire, mit nur 46 Jahren verstorben, lebte in Paris bis 1867, seine „Blumen des Bösen“, eine ganze Gedichtesammlung (1857), sind sein berühmtestes Opus. Provenienz: Aus den Sammlungen Edmond de Goncourt (Paris), von Felix Tikotin (Schweiz) 1962 erworben, danach E. Biedermann (Bern).

Expertise:
Wolfmar Zacken

Ausgestellt und publiziert: 1984 in Baden-Baden, Staatliche Kunsthalle „Aus der fließend-vergänglichen Welt“ sowie 1982 in „Art Japonais“ in Martigny (Schweiz).