© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-026
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Ink on paper
Japan
19th century
SIZE 27,5 x 19,1 CM
Visual Art

DENGAKU-TÄNZER. Ein mit einem großen kreisrunden Strohhut (Kasa) bedeckter Mann eilt, vielleicht tänzerisch, vielleicht auch trunken, trunken vielleicht aus Festesfreude, und in beiden Händen hält er Stäbe, an denen Papierchen befestigt sind. Auf den ersten Blick würde man sie für ein Windspiel halten, im Luftzug allerdings spielen und wehen sie lebendigst. Die Tänzer sind ganz gewöhnliche Leute gewesen, vom Dorf, gefeiert wurde das Ende der Reisernte. „Jeder bewegte sich so, wie er es vermochte oder wie ihm gerade war, angefeuert vom Spiel auf einfachen Instrumenten wie Trommeln, hölzernen Ratschen und Shakuhachi ... ein ausgelassenes Volksfest mit Tänzen und Musik, beteiligt war daran das ganze Dorf“. Dieser Tanz, zurückgehend auf älteste Fruchtbarkeitsriten, beispielsweise auf den simplen „Feldtanz“ (Tamai), der vom Pflügen und Pflanzen begleitet war, existiert in einer Vielfalt und kann auch von professionellen Truppen aufgeführt sein, wurde in der Kamakara-Zeit (um 13. Jh.) streng geometrisch choreographiert und findet auch heute noch als Teil von Festen in Schreinen und Tempeln an vielen ländlichen Plätzen statt. Dengaku, wörtlich „Feldmusik“ (Zeichen „Den“ für das Reisfeld sowie „Gaku“ für Musik, Vergnügen, amüsieren) zeigt besonders in der älteren Zeit einen interessanten Zusammenhang zwischen der Adelsklasse und den Bauern, denn letztere waren die Reisproduzenten und der Reis das wichtigste Nahrungsmittel überhaupt. Mit diesen Tänzen wird natürlich die Feldgottheit aufgerufen oder bedankt, das Hauptinstrument in der begleitenden Musik war die Trommel, die überhaupt symbolisch für das Feld ist. Die Papierstreifen, die Hokusai zeichnete, werden „Fuda“ genannt, sie sind auch - im Shinto an Schreinen oder heiligen Plätzen befestigt - als „Gohei“ bekannt, noch weitere Bezeichnungen gibt es. Die Streifen können auch aus Stoff sein, meist sind sie weiß, aber auch golden, selbst andere Farben sind möglich. Die „Gohei“ sind genaugenommen Zickzack-Streifen. In dieser Malerei ist das Schwingen dieser Fuda mit gleich mehreren Stäben (sind es sechs?, oder versuchte Hokusai eine sozusagen wie „filmische“ Sequenz herzustellen) verblüffend bewegt gelungen, ohne dabei in irgendeine zu gewollte Übertreibung zu verfallen. Den linken Arm beispielsweise, so ausgestreckt, daß die Stäbe am weitesten von unserem Auge entfernt sind, zeichnete Hokusai mit sehr trockenem Pinsel. So wirkt dieser weniger körperhaft, dadurch entfernter und zugleich besonders bewegt. Aber auch der ganze Körper, die Gewandung, die Beine, ja das Blatt selbst scheint in Bewegung zu sein und die insgesamt entstandene Räumlichkeit, diese Schein-Dreidimensionalität, ist beträchtlich. Sei noch darauf hingewiesen, daß der Mann an seiner rechten, uns zugewandten Hüfte ein Sagemono trägt. Dieses besteht aus einem Tabakoire und einem Kiseruzutsu, einer Tabaktasche und einem Pfeifenköcher, ein für Bauern typisches Ensemble. Wie Hokusai an Konturen und Knitterfalten vor allem im unteren Bereich und besonders am rechten Bein des Mannes verfahren ist, im abgesetzten Zickzack und recht energisch oder knackig, wie immer man es nennt, ist so zu verfolgen, als stünde man beim Entstehen dieser Zeichnung direkt daneben. Provenienz R. Sawers, London Anm.: Die Zeichnung ist ausgeschnitten und auf identes Papier - vermutlich alt-original - aufgesetzt.

Expertise:
Wolfmar Zacken