© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-036
Takeuchi Keishu (1861 - 1943)
Black ink and color on paper
Japan
19th century
SIZE 24,2 x 32,4 CM
Visual Art

EIN SAMURAI ZIEHT SEIN SCHWERT VOR EINER ERSCHEINUNG. Auf den ersten Blick ist an diesem dynamisch und mit geübter Hand ausgeführtem Entwurf kaum etwas „Japanisches“ festzustellen. Fast könnte die Zeichnung eine Skizze eines Barockmalers sein. Besonders an der nackten Figur ist eindeutig zu erkennen, daß Keishu europäische Zeichnungen gesehen haben muß. An der Beinkleidung und besonders am Schwert ist dagegen das unverkennbare japanische Element gegeben. Das Schwert zeigt aufgrund von Länge sowie tiefem Koshizori, daß es ein Tachi aus der Heian-Zeit ist. Der Maler Keishu (der aus einem Samurai-Haus stammte) hat das aufmerksam festgehalten. Zwei Personen sind auf dem Blatt wiedergegeben, eine nur rot gemalte im Hintergrund, sie ist fast nackt, sehr athletisch und macht eine bedrohliche Gestik. Den Gegenstand, den sie einer Hand hält, kann man nicht identifizieren. Die voran mit schwarzer Tusche gemalte Figur im Vordergrund mit flatterndem Gewand ist daran, die lange Klinge zu ziehen. Möglicherweise ist der Dargestellte Watanabe no Tsuna, ein Held aus dem 10. Jh., bekannt geworden durch seinen Kampf mit dem Gespenst vom Rashomon-Tor in Kyoto. Dieser Dämon verunsicherte damals nächtens die ganze Umgebung. Watanabe ist aber nur gelungen, mit einem furiosen Hieb durch die stockdunkle Luft ihm einen Arm abzuhacken (der später - eine Jagdtrophäe - aus dem Besitz von Watanabe von einer Hexe wieder entwendet wurde). Da der Nackte aber auch einem Nio recht ähnlich sieht, ist nicht ganz auszuschließen, daß ein Kämpe hier, nächstens und in einem Nebel, einen der Nio, die athletische Wächter an Tempeltoren sind, als Gespenst ansieht und sein Tachi ziehen will ... Keishu zählte - zusammen mit Kiyokata und Eisen - zu den besten Zeichnern Japans in der Zeit von 1880 bis 1890. Mit Yoshitoshi, von dem in unserem Katalog eine hervorragende Zeichnung in der Nr. 37 vorliegt, war er befreundet. Geboren wurde er in Akasaka in Edo. Diese Malerei stammt aus der ehem. Berner Slg. von E. Biedermann.

Expertise:
Wolfmar Zacken