© Galerie Zacke
Catalog Number: HOK1009-012
Katsushika Hokusai (1760 - 1849)
Ink and colors on paper
Japan
19th century
SIZE 15,2 x 25,7 CM
Visual Art

ABGESCHLAGENER KOPF IM GRAS. Ein faszinierendes kleines Bildnis, weil - trotz des geköpften Kopfes - kaum wirklich, ja überhaupt nicht gruselig! Weitaus mehr gebettet, nahezu idyllisch, und erstaunlich sanft. Baudelaire’s Gedicht (zitiert in Nr. 13, gleichfalls ein „Kopf“ nur) ist da weitaus brutaler, aber die dort gezeigte Malerei auch einiges wilder. Hier setzt Hokusai einen fast wie ein Gitter wirkenden Vorhang davor, der aus Gräsern besteht. Wie er sie gemacht hat, ist spontan und voll Leben, kurzum hingesetzt, als würden sie ihm aus der Hand wachsen, in den Pinsel springen, rascheln. Ihre Farbe ist rotbraun und schwarz. Hinter ihnen leuchtet zaghaft ein weißliches Haupt, schwarzes Kopfhaar, zu einem schmalen Schlitz geschlossene Augen, der Mund ist breit und hoffnungslos im Ersterben gespreizt. Das Blut sehr rot - aber seltsamerweise ordnet man es prima vista eher dem Reich der Flora zu, dieses schöne Rot! Denn eigenartig, das Blut rinnt vom Mund in sanft wellenförmigen Linien und in der genau gleichen Bewegung steigt eine smaragdgrüne Eidechse auf das Kinn empor, sie hat einen schlangenartig dünnen langen Körper, der in der gleichen sanften Welle „fließt“, das hat beinahe paradieshaft feine Poesie. Das hübsche Tierchen hebt seinen Kopf hoch, die winzige Zunge ist blutrot ... Dreht man den Kopf so, daß er einen direkt ansieht, so ist der Tote, der Schädel, sehr viel eindringlicher in seinem Totsein, seinem Status als Leichnam, wahrzunehmen. Auch erscheint dann die kleine grüne Echse verdächtigerweise gleich wie der gespenstische Täter, wer immer er auch wirklich war. Es soll ja genug Samurai gegeben haben, die kurzen Prozeß machten, die ganze Schärfe ihres Katana oder Wakizashi in ihrer ganzen blitzartigen Gnadenlosigkeit erprobten. Ein sauberer Schnitt jedenfalls. Dieser Kopf wird übrigens in anderen Publikationen auch als der einer Frau bezeichnet (etwa „Tête de femme décapitée“ in der Ausstellung der Fondation Pierre Gianadda 1982). Der Kopf als ein femininer - das ist an diesem Blatt in dieser Unbedingtheit doch eher nicht zu sehen. Jedoch gibt es eine weitere Version dieses identen Themas, gemalt von Hokusai in leicht anderem Format und auch mit Echse, der abgehauene Kopf jedoch mit vollerem Haar und darum eher an eine Frau gemahnend. Die vorliegende Malerei war mehrfach ausgestellt und publiziert, siehe unten. Das Schutzblatt zur vorliegenden Zeichnung trägt nach wie vor die Etikette „Staatliche Kunsthalle Baden-Baden ... Kat. Nr. 54“. Provenienz: Aus den Sammlungen S. Bing, F. Tikotin und E. Biedermann (Bern) Anm: Das Format des anderen, sehr ähnlich ausgeführten Blattes ist 20 x 22 cm und teilweise hat es sich auch in den gleichen Sammlungen befunden, nämlich S. Bing, dann aber Goncourt, danach gleichfalls Tikotin (Schweiz).

Expertise:
Wolfmar Zacken

Ausgestellt und publiziert: In Baden-Baden („Kopf eines Ermordeten im Schilf“) und in anderen Ausstellungen, beispielsweise in „Rembrandt-Hokusai-Van Gogh“, 1952 in Basel. Oder das Titelbild einer holländischen Kunstzeitschrift im April 1952.