© Galerie Zacke
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Catalog Number: HOK1009-037
Takeuchi Keishu (1861 - 1943)
Black ink and color on paper
Japan
19th century
SIZE 23,5 x 18,8 CM UND 24,2 x 16,3 CM
Visual Art

DER TAIRA-KRIEGER NAOZANE ALS MÖNCH. Zwei Zeichnungen, die eine mehr Skizze und eigentlich doppelt vorhanden, die andere fein ausgeführt. Der Künstler - einer der besten Zeichner Japans zwischen 1880 und 1890 - ist in der Nr. 36 näher beschrieben. Der auf dem Blatt dargestellte Priester (Mönch) Naozane ist unverkennbar, er sitzt verkehrt herum ganz am Hinterteil des Rosses und hat den Blick zum Schwanzriemen gesenkt. Die Legende berichtet, daß der Ritt nach Osten ging und Naozane, der als Mönch den Namen Rensho führte, jedoch vorhatte, nur nach Westen zu schauen, genaugenommen ins „Reine Land“, das ist das Westliche Paradies des Amida Butsu (im Sanskrit der Buddha Amitabha), das den Namen Sukhavati trägt (Gokuraku im Japanischen, wörtl. „Größte Freude“). Naozane, der im 12. Jh. lebte, nahm an den blutigen Machtkämpfen zwischen den Minamoto und den Taira teil, war zuerst auf Seiten der Taira, wechselte aber dann zu den Minamoto und begleitete Yoshitsune in der berühmten Schlacht von Ichi no Tani. Bei der Verfolgung der Taira, nachdem er seinen eigenen Sohn aus den Augen verloren hatte, flüchtete einer der Taira-Krieger auf seinem Roß in die Brandung, Naozane trieb ihn zurück aufs Land, aber als dem Krieger der Helm herabfiel und er einen Jüngling - aussehend wie sein Sohn - erkannte, verhielt er abrupt und dachte für Sekunden von einer weiteren Verfolgung abzulassen. In diesem Moment wurde ihm aber bewußt, daß alle seine Mitkämpfer von seiner Taira-Abstammung wußten, und hieb seinem adoleszenten Gegner den Kopf ab. Kurz darauf entschied er sich, nie mehr eine Waffe zu tragen und in ein Kloster bei Kyoto einzutreten (in die Jodo-Sekte, die „Reines Land“- Richtung, die damals gerade gegründet war - siehe Anm.). Die Gesichtszüge zwischen der rechten und der linken Darstellung sind nicht völlig gleich. Rechts sieht es so aus, als wären Haare auf dem Haupt und keine Tonsur gegeben. Links zeigt sich eine überzeugte, feste Persönlichkeit, die sich zurückgezogen hat. Der Umhang ist schwarz und ein Bein ist so hoch angezogen, daß sich die Zehen im Bereich des Ursprungs des Pferdeschweifs befinden. Der lange Schweif selbst ist - fast in die Horizontale gehend - wehend gezeichnet. Obwohl die Striche der Zeichnung teilsweise sehr fein sind, wurde keine Feder verwendet, wie das bei uns der Fall gewesen wäre, sondern ein besonders feiner Pinsel. Diese Malerei stammt aus der ehem. Berner Slg. von E. Biedermann. Anm.: Über den Künstler in Nr. 36. Die Jodo-Sekte wurde relativ spät gegründet, der Amida-Kult ist viel älter und fußt auf dem chines. Mönchsgelehrten Huiyuan, der im frühen 5. Jh. ein bedeutendes buddh. Zentrum im Yangzi-Tal (Yangtse) gegründet hat. Ausdrücklicher Wunsch war, im Sukhavati-Paradies wiedergeboren zu werden. Dazu werden die Silben „Namu Amida Butsu“, wörtlich „Ich suche meine Zuflucht zum Buddha Amitabha“, oftmals wiederholt. Amida wurde in Japan zu einer ausgesprochen messianischen Gestalt.

Expertise:
Wolfmar Zacken